LICHTENAU/ WV

Der Lichtenauer SPD-Kommunalpolitiker und Kreistagsabgeordnete Wolfgang Scholle ist tot. Mit großer Trauer und tiefer Betroffenheit nehmen die Sozialdemokraten im Kreis Paderborn Abschied von ihrem langjährigen Genossen.

Wolfgang Scholle sei der durch einen tragischen Unfall im Alter von 73 Jahren in dieser Woche viel zu früh aus dem Leben gerissen worden.

Mit ihm verliere die Sozialdemokratie einen überzeugten Mitstreiter und die Stadt Lichtenau einen Menschen, der sich über mehr als fünf Jahrzehnte mit außergewöhnlichem Engagement für seine Heimat, den Kreis Paderborn und die Menschen in der Region eingesetzt habe, heißt es in einem gemeinsamen Nachruf des SPD-Kreisverbandes Paderborn, der SPD-Kreistagsfraktion Paderborn, des SPD-Ortsvereins Lichtenau und der SPD-Ratsfraktion Lichtenau.

Willy Brandt war  sein Vorbild

Wolfgang Scholle hinterlässt seine Ehefrau Christel und seinen erwachsenen Sohn. „Unser tief empfundenes Mitgefühl gilt seiner Familie und allen Angehörigen“, erklären die Sozialdemokraten weiter.

Wolfgang Scholles politischer Weg habe 1974 mit dem Eintritt in die SPD begonnen. Im selben Jahr gehörte er zu den Mitbegründern des SPD-Ortsvereins Lichtenau. Willy Brandt sei für ihn politisches Vorbild gewesen. Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität seien für Wolfgang Scholle nicht nur politische Leitgedanken, sondern Maßstab seines Handelns gewesen, heißt es weiter im Nachruf der Sozialdemokraten.

Sein kommunalpolitisches Engagement habe in seiner Heimatstadt Lichtenau begonnen – zunächst als sachkundiger Bürger, später als Ratsmitglied. Von 2014 bis 2020 war er Ortsvorsteher und hat dabei Kommunalgeschichte als erster SPD-Ortsvorsteher in Lichtenau geschrieben. Lichtenau blieb stets Mittelpunkt seines Wirkens. Besonders am Herzen habe ihm die Entwicklung der Stadt als Energiestadt gelegen. Er habe früh die Chancen der erneuerbaren Energien erkannt und sich mit Überzeugung dafür eingesetzt, dass ökologische Verantwortung, wirtschaftliche Entwicklung und kommunale Zukunft zusammengehören.

Für ihn sei die Energiestadt kein Schlagwort gewesen, sondern Ausdruck einer Politik, die auch kommenden Generationen verpflichtet sei. Sein Blick habe jedoch weit über die Stadtgrenzen hinaus gereicht. Seit 2004 gehörte Wolfgang Scholle dem Kreistag des Kreises Paderborn an. Die SPD-Kreistagsfraktion wählte ihn seit 2014 zu ihrem Vorsitzenden beziehungsweise stellvertretenden Vorsitzenden.

Ein Schwerpunkt seines politischen Wirkens seien Umwelt-, Natur- und Klimaschutz gewesen. Fast durchgängig gehörte er dem Ausschuss für Natur, Umwelt und Klimaschutz sowie dem für die Abfallwirtschaft zuständigen Betriebsausschuss an. In beiden Gremien übernahm er jeweils für fünf Jahre den Vorsitz. Mit großem Sachverstand sei er unter anderem an der Neukonzeption des Kreisbauhofes, am Aufbau einer kommunalen Kooperation zur Wertstofferfassung und an der Weiterentwicklung der A.V.E. zu einem bedeutenden Akteur in den Bereichen Energiewende und Klimaschutz beteiligt gewesen.

Dem zentralen Kreis- und Finanzausschuss gehörte Scholle seit 2014 an. Weitere Mitgliedschaften in Ausschüssen, Arbeitsgruppen, Verbandsversammlungen und Beiräten verdeutlichten die Breite seines Engagements, so die Sozialdemokraten. Ein besonderes Herzensanliegen sei ihm die Biologische Station Senne gewesen. Als Mitglied und zuletzt Vorsitzender des Aufsichtsrates habe er sich dafür eingesetzt, Naturschutz und die militärische Nutzung der Senne verantwortungsvoll miteinander zu verbinden. Seit 2023 brachte Wolfgang Scholle seine kommunalpolitische Erfahrung zudem in die SPD-Fraktion der Landschaftsversammlung Westfalen-Lippe ein.

Auch innerhalb der Sozialdemokratie übernahm er weit über den Ortsverein hinaus Verantwortung. Von 2006 bis 2018 war Scholle stellvertretender Vorsitzender des SPD-Kreisverbandes Paderborn und führte den Kreisverband zeitweise kommissarisch. Er organisierte Wahlkämpfe, war Delegierter auf Parteitagen und gehörte über Jahrzehnte zu den prägenden Persönlichkeiten der SPD im Kreis Paderborn.

Der Natur eng verbunden

Ein weiteres Herzensanliegen sei ihm der öffentliche Personennahverkehr gewesen. Er sei überzeugt gewesen, dass eine nachhaltige Mobilität zur Zukunft des ländlichen Raumes gehöre. Deshalb habe er selbst Bus und Bahn genutzt – zu Sitzungen nach Paderborn ebenso wie zu Terminen in Münster.

Sein Engagement habe sich jedoch nicht auf die Politik beschränkt. Als Schäfermeister sei er der Natur eng verbunden gewesen. Im Fischereiverein, bei den „Naturstrolchen“ der OGS Lichtenau, bei den Freunden des Klosters Dalheim sowie im Partnerschaftskomitee Lichtenau–Mayet habe er sich mit derselben Begeisterung eingebracht. „Er war überzeugter Europäer und wusste, dass Heimatverbundenheit und Offenheit füreinander keine Gegensätze sind“, heißt es im Nachruf.

„Mit Wolfgang Scholle verlieren wir einen Menschen, der Verantwortung nicht als Amt, sondern als Haltung verstanden hat. Er hörte zu, suchte den Dialog und setzte sich mit Beharrlichkeit für das Gemeinwohl ein“, sind die Sozialdemokraten tief betroffen.

Geschätzter Weggefährte

Seine Verlässlichkeit, seine Sachlichkeit und seine tiefe Verbundenheit mit seiner Heimat hätten ihn zu einem geschätzten Weggefährten weit über Parteigrenzen hinaus gemacht. Über mehr als fünf Jahrzehnte habe Wolfgang Scholle Verantwortung übernommen – für seine Heimat, für die Menschen und für kommende Generationen. „Er hat Zukunft mitgestaltet und gezeigt, wie viel kommunalpolitisches Engagement bewegen kann. Sein Lebenswerk wird bleiben. Dafür sind wir ihm zu großem Dank verpflichtet“, so die SPD.

Auch Landrat Christoph Rüther (CDU) hat sein großes Bedauern zum Ausdruck gebracht: „Die Nachricht vom Tod Wolfgang Scholles hat mich tief erschüttert. Ich kannte Wolfgang viele Jahre und habe ihn als einen Menschen erlebt, der sich mit großem persönlichen Engagement, Überzeugung und Herzblut für die Menschen in unserem Kreis eingesetzt hat. Mit seinem Tod verlieren wir nicht nur ein engagiertes Mitglied des Kreistages, sondern auch einen geschätzten Menschen, dessen Rat, Verlässlichkeit und menschliche Art uns fehlen werden.“

Landrat tief erschüttert

Was Wolfgang Scholle dabei besonders ausgezeichnet habe, sei seine Haltung im Umgang mit anderen. Gute Politik beginne mit Respekt – Respekt vor den Menschen, vor großen und kleinen Anliegen und vor unterschiedlichen Meinungen, so der Landrat. Genau diesen Respekt habe Wolfgang gelebt. „Er hörte zu, suchte den Dialog und begegnete anderen stets auf Augenhöhe. Mit seinem Wirken hat er unsere kommunalpolitische Arbeit bereichert und sich über Parteigrenzen hinweg große Wertschätzung erworben. Wir werden ihn sehr vermissen“, so Christoph Rüther. Seine Gedanken seien in diesen schweren Stunden bei seiner Familie und allen, die ihm nahestanden.

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